Digitale Medien spielen in unserem Leben eine zentrale Rolle. Unser Start in den Tag beginnt mit einem Blick in die News-App, um uns auf den neuesten Stand zu bringen, während im Hintergrund unsere Spotify-Playlist läuft, danach geht es weiter in den ersten Videocall, von dort in ein Online Team-Meeting, zeitgleich prasseln E-Mails, Slack-Posts und WhatsApp-Nachrichten auf uns ein. Nach unserem Feierabend nehmen wir dann an einem Online-Workout teil, im Anschluss gibt es ein digitales Abendessen mit Freunden. Zum Abschalten dann noch eine Runde Netflix. Neben der 24/7 Beschallung kommt der innere Druck hinzu: Alles soll natürlich trotzdem perfekt weiterlaufen und wir versuchen unserer Rolle in jedem Fall gerecht zu werden. 

24/7 Online-Beschallung – wieso finden wir keine Auszeit mehr?

24/7 Online-Beschallung – wieso finden wir keine Auszeit mehr?

Das digitale Leben erfordert von uns die Fähigkeit, immer wieder offline zu gehen, um Körper und Geist langfristig gesund und leistungsfähig zu halten. Doch während unsere digitalen Handlungen zu Gewohnheiten geworden sind, bleiben unsere Offline-Tätigkeiten auf der Strecke. 

Neurowissenschaftlich gesehen bewegen wir uns für die Umsetzung festgefahrener Gewohnheiten durchgängig in schon ausgebildeten neuronalen Netzwerken in unserem Gehirn. Dabei finden wir nicht die Zeit und Energie, neue Verknüpfungen aufzubauen. Gewohnheiten bauen immer auf drei Säulen: dem Auslösereiz, der Handlung und einer Belohnung. Diese drei Elemente finden sich wieder, wenn unser Wecker klingelt: Der Wecker-Alarm lässt uns auf den Snooze-Button drücken mit der verlockenden Aussicht, ein paar Minuten mehr Schlaf geschenkt zu bekommen. Wenn wir aber nicht gelernt haben, dass die ausstehende Belohnung für eine Handlung attraktiv ist, führen wir diese Handlung auch nicht aus.

Demnach können die physikalischen Strukturen unseres anpassungsfähigen Gehirns aktiv mitgestaltet werden. Der vordere Bereich unseres Gehirn, der präfrontale Cortex, ist zuständig für komplexes Denken und lehrt uns, Neues umsetzen. Mit der Zeit wandern die hier erlernten Fähigkeiten in einen weiteren Bereich des Gehirns, dem Striatum. Das Gehirn braucht nun weniger Energie, diese Tätigkeit auszuführen und hat Freiraum für Neues. Die neu entstehenden Nervenbahnen durch repetitive Handlungen lassen Informationen auf anderen Wegen fließen und das Gehirn “baut” neue Gewohnheiten auf. 

Tipp Nimm die Gestaltung des Netzwerks deines Gehirns in die Hand und wandle Offline-Aktivitäten in deine Gewohnheiten um.

Beispiele

  • Hänge neue Gewohnheiten an schon vorhandene an: Stehe nach jedem Video-Call kurz für fünf Minuten auf
  • Trinke am Morgen nach dem Zähneputzen bewusst ein Glas Wasser 

Das Verständnis über die menschliche Adaption von Gewohnheiten ist die Grundlage, um einen Wandel hin zu Offline-Entspannung zu meistern. Dieser Wandel kann stattfinden, indem wir uns neue Gewohnheiten im digitalen Alltag aneignen. 


24/7  Physisch online – wieso fängt der Körper an zu jammern?

24/7  Physisch online – wieso fängt der Körper an zu jammern?

Ein ausgeprägter digitaler Konsum ist in den seltensten Fällen ein physisch förderlicher Konsum. Relativ schnell erhalten wir natürliches Bio-Feedback von unserem Körper. Unverzüglich melden sich die typischen Schmerzbereiche wie Nacken, Schultern und Rücken. Wenn diese zu Wort kommen, werden sie oft auch von einer allgemeinen Trägheit begleitet. Der menschliche Körper besteht aus rund 650 Muskeln, die ab unserem 30. Lebensjahr auf natürliche Weise abbauen, jedoch ihre Relevanz für unsere Gesundheit behalten.

Doch nicht nur unser Körper ist dankbar für die Bewegung, sondern auch unser Gehirn. Die Gehirnaktivität verändert sich bei Bewegung, dabei wird unser motorischer Kortex, unsere Steuerungszentrale für Bewegung und Koordination, aktiviert. Zugleich wird der präfrontale Kortex, das Zentrum für logisches Denken und Handeln, heruntergefahren. Vergleichbar wie ein Neustart beim Computer: wir können uns wieder besser konzentrieren. Die Universität Ulm erforscht auch die langfristigen positiven Effekte der körperlichen Aktivität. Der Abbau des Botenstoffes Dopamin wird verlangsamt, ein körpereigener Stimmungsaufheller, der für wichtige kognitive Prozesse in unserem präfrontalen Kortex gebraucht wird, wie Aufmerksamkeit und Konzentration. Und Psychologe Kirk Erikson beweist, dass durch körperliche Aktivität der Hippocampus, der unsere Lernfähigkeit und Erinnerungsvermögen meistert, wächst. 

Tipp Bewegung in jeglicher Form!

Beispiele

  • Yoga 
  • Faszientraining 
  • Ausdauertraining 
  • Krafttraining 
  • tägliche Spaziergänge
  • kurze Dehnübungen am Arbeitsplatz